Hasenhochzeit im März

Wenn Sie in diesen Wochen draußen unterwegs sind, beobachten Sie doch einmal, wie die Feldhasen jetzt vor Ostern Hochzeit feiern.

  • Serie: Revierbeobachtungen - Wahres aus unserer Natur, Teil 1

    Serie: Revierbeobachtungen - Wahres aus unserer Natur, Teil 1

Dann geht es auf dem Acker hoch her. Die Häsin lässt sich nicht so leicht beeindrucken. Mehrere Rammler buhlen um die Häsin und wenn Sie nicht zufrieden ist, gibt es was auf die Löffel. Die Häsin stellt sich auf die Hinterbeine und boxt mit dem Männchen so lange, bis die Wolle fliegt. Die Häsin setzt dann 2-3-mal im Jahr 2-4 Junghasen in Größe eines Hühnereies auf blankem Ackerboden. Im Unterschied zum Wildkaninchen leben die Feldhasen rein oberirdisch, auch die Jungen werden oberirdisch geboren. Sie sind bei der Geburt behaart und sehend und als Nestflüchter zur Fortbewegung fähig. Die in einer flachen Erdmulde geborenen Junghasen sind der Witterung ungeschützt preisgegeben; ebenso den vielen natürlichen Feinden und den landwirtschaftlichen Maschinen, die bei zunehmender Arbeitsbreite immer schneller werden. Immer öfter fällt dieser Nachwuchs komplett dem zunehmenden Druck der natürlichen Feinde, der Landbewirtschaftung oder dem Verkehr zum Opfer. Warum das so ist, möchte ich mit meinen Beobachtungen gerne erklären und was man dagegen tun kann, dafür suche ich auch Ihre Unterstützung.

 

Mein Name ist Paul Schmid, ich bin Jäger und Revierpächter eines Jagdbezirks in Bad Krotzingen, etwa 15 km südlich von Freiburg. Als Jagdausübungsberechtigte tragen wir für unsere Natur eine große Verantwortung. Leider können wir Jäger aber unsere Pflichten nach dem Bundesjagdgesetz, nämlich für einen gesunden und artenreichen Wildbestand zu sorgen immer weniger wahrnehmen. Ich möchte deshalb mit einigen Beiträgen aus einem regionalen Revier das für viele andere als Beispiel stehen kann, alle Mitbürger, Naturschutzfunktionäre und Politiker auf die Probleme unserer Wildtiere aufmerksam machen.

 

Unser Feldrevier hat insgesamt eine Größe von 557 ha, das entspricht etwa einer Fläche des Flugplatzes Bremgarten. Der Anteil der Wasserflächen beträgt 3 Hektar und Feldgehölze sind auf einer Fläche von nur knapp 13 Ar vorhanden. Wald fehlt in unserer offenen Feldflur völlig. Diese Naturausstattung würde das Revier eigentlich zum Tummelplatz von Feldhasen, Rebhühnern, Fasanen, Wachteln und vielen typischen Feldbewohnern wie Feldlerchen, Goldammern oder auch Grauammern machen. Wir beobachten leider das Gegenteil, ich möchte aber mit einem positiven Beispiel beginnen.

 

1997 habe ich im ganzen Revier 40 Hasen gezählt, daraus errechnen die Wildforscher eine vergleichbare Kennzahl, die Wilddichte, mit 7 Hasen pro 100 Hektar. Ab 2004 nahm ich dann mit dem Revier am Projekt WILD der Wildforschungsstelle Aulendorf mit Hasenzählungen und Rebhuhnkartierungen teil. Bei der ersten Nachtzählung zählte ich auf der Zählfläche von 330 ha 36 Hasen, somit ergab sich eine Hasendichte von 13,5 Hasen pro 100 Hektar. Wie stark die Dichten schwanken können, zeigen die Zahlen von 2009 mit sogar 30 Hasen auf 100 Hektar und von 2011 nur noch 19 Hasen pro 100 Hektar. Seit 2004 wird die Zählung nach dem System WILD mit der Nachtzählung durchgeführt, so dass wir mit langjährigen belegbaren Datenreihen die Entwicklung der Hasen nachvollziehen können.

 

Die im Rückblick positive Entwicklung bei den Feldhasen seit 1997 führen wir auf unsere jagdliche Tätigkeit zurück, denn es gelang uns, durch die verstärkte Bejagung von Füchsen und anderen Feinden des Hasen zumindest den Druck der natürlichen Feinde etwas einzudämmen. Daneben muss natürlich auch der Lebensraum verbessert werden, was wir Jäger ebenfalls als eine wichtige Aufgabe wahrnehmen, dazu beim nächsten Mal mehr.

Erstellt am 28.03.2018
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