Zeitgemässe Raubwildbejagung

Markgräfler Jäger bilden sich weiter

Erstellt am 01.07.2020

Bad Krozingen (gaa) Das Niederwild braucht den Schutz der Jäger – das wurde deutlich beim Seminar der Markgräfler Jägervereinigung, zu der der Leiter der Hegegemeinschaft Rheintal GbR. Paul Schmid den erfahrenen Berufsjäger Paul Rößler aus Lüchow-Dannenberg nach Südbaden eingeladen hatte. Mit einer jährlichen Strecke von mehreren Dutzend Prädatoren konnte er den 25 Jägerinnen und Jäger wertvolle Hinweise für eine zeitgemäße Raubwildjagd geben. Im theoretischen Teil der Weiterbildung ging er auf die gesetzlichen Grundlagen und die wichtigen Aufgaben ein: „Nach dem Bundesjagdgesetz haben wir als Jäger die Pflicht zur Hege. Das bedeutet, dass wir verantwortlich für einen artenreichen und gesunden Wildbestand sind. Artenschutz und Seuchenprävention sind deshalb wichtige Aufgaben für jeden Jäger.“

Am Beispiel verschiedener Niederwildarten zeigte er auf, welche Auswirkungen der Prädationsdruck auf das Niederwild hat. So konnte etwa nachgewiesen werden, dass 80 bis 100 Prozent der Kiebitz-Gelege von Raubwild gefressen werden – eine Erfahrung, die auch im Markgräflerland gemacht wird, wo es nur noch wenige Kiebitze gibt und Paul Schmid mit viel Aufwand versucht, diese Vogelart zu erhalten.

„Entlastung für das Niederwild bringt deshalb nur eine temporäre und regionale Absenkung der Raubwildbestände auf ein natürliches Maß in der Aufzuchtzeit der Bodenbrüter und des Niederwildes, also von März bis Mai“, führte Paul Rößler weiter aus. „Bejagt werden müssen dabei vor allem rechtzeitig die Zuwachsträger.“

Nicht genug konnte der Berufsjäger mit reinem Feldrevier in Norddeutschland die Bedeutung der Fallenjagd hervorheben: „90 Prozent der Strecke mache ich damit.“ Er selbst empfiehlt zwei bis fünf Fallen pro 100 Hektar Revierfläche. Der zweite Teil des Seminars bestand dann auch aus einem Revierrundgang bei Paul Schmid, bei der eine Betonwipprohrfalle, ein Kunstbau und eine Kastenfalle vorgeführt wurden und Paul Rößler wichtige Hinweise zu Fangplätzen an den richtigen Stellen, Ködern und auch zur Reizjagd gab.

Der Praxisteil wurde mehr als anschaulich: Im Feld konnte Paul Schmid eine Fasanenhenne ausfindigmachen, die davonstrich, während der Hahn gleichzeitig auf die Gruppe zuflog und krank simulierte.

Ein trauriger Abschluss war die frische Mahd einer Wiese mit Fasangelege. Die Henne konnte mit einigen Küken ausweichen, doch zwei Küken wurden vom Mähwerk erwischt. Hier zeigt sich, dass die Jäger nicht nur mit der Jagd auf Prädatoren das Raubwild schützen können, sondern auch durch Aufklärung und das Gespräch mit den Landwirten: Vorher gemeinsam mit Jägern das Feld durchstreifen und anschließend von innen nach außen mähen.

(Georg Auer)

Erstellt am 01.07.2020
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