Rebhuhnzählung Markgräflerland

„Kireck kireck“ aus dem Lautsprecher
Rebhuhn-Zählung im Markgräflerland erfolgreich

Erstellt am 10.03.2020

Bad Krozingen (gau). Die gute Nachricht: Es gibt noch Rebhühner im Markgräflerland. Die schlechte: Es sind nicht sehr viele. „Die Jäger konnten im Prüfgebiet fünf Rebhähne hören und diese durch Sichtung bestätigen. Im vergangenen Jahr waren es nur drei gewesen“ berichtet der Leiter der Hegegemeinschaft Rheintal, Paul Schmid.

Seit den 1980er Jahre ist der Bestand des Hühnervogels europaweit um 94 Prozent zurückgegangen. Wie an vielen anderen Orten auch verzichten die Jäger im Markgräflerland daher freiwillig auf die Jagd, schützen die Restbestände und sorgen dafür, dass sich die Bestände wieder erholen können.

Eine wichtige Maßnahme dabei ist die Zählung der Rebhühner im Rahmen des Wild-Monitorings. 25 Jäger der Hegegemeinschaft Rheintal haben deshalb mit Unterstützung der Wildforschungsstelle Aulendorf jetzt zur Paarungszeit der Rebhühner zwei Abende damit verbracht, diese zu zählen. Dazu sind sie mit Klangattrappen - einem digitalen Abspielgerät mit Lautsprecher - festgelegte Wege über etwa drei Kilometer, sogenannte Transekte, abgeschritten. Nach jeweils fünfzig Metern haben sie den Ruf des Rebhahns abgespielt. Hört ein Rebhahn den vermeintlichen Rivalen, antwortet er.

Ursachen für den Rückgang

Zwei maßgebliche Ursachen sind für das weitgehende Verschwinden der Rebhühner aus der Kulturlandschaft verantwortlich: Die extensiv genutzte Landwirtschaft und ein starker Druck durch Prädatoren wie Fuchs, Marder, aber auch Greifvögel und sogar Krähen, Störche und Reiher: „Wir haben beobachtet, wie diese Vögel die Reihen in den Feldern so lange systematisch ablaufen, bis sie ein Gelege gefunden haben und dieses fressen – daraus können dann keine Rebhühner, Kiebitze oder Fasane mehr schlüpfen“, berichtet Paul Schmid.

Hegegemeinschaft schützt Niederwild

Deshalb setzt sich die Hegegemeinschaft Rheintal bereits seit fünf Jahren für die Pflege des Niederwildes im Markgräflerland ein und will bei den Ursachen dagegenhalten: „Wir sind im Gespräch mit den Landwirten und versuchen diese davon zu überzeugen, mehr Brachflächen und Blühstreifen anzulegen und auf das Mulchen zu verzichten“, erklärt Paul Schmid. „Gleichzeitig bejagen wir vor allem die Füchse, damit das Niederwild eine Chance zum Überleben hat.“

Allianz für das Niederwild

Das Zählen von Niederwildarten wie Rebhuhn, Fasan oder Feldhase bildet eine Grundlage dafür, dass das Markgräflerland mit einer Fläche von rund 15.000 Hektar neben den Fildern bei Stuttgart (seit 2017) und Durmersheim bei Rastatt (seit 2019) die dritte Modellregion der „Allianz für Niederwild“ in Baden-Württemberg wird. Diese Allianz ist ein breites Bündnis von Jägern, Naturschützern, Kommunen, Landwirten, Grundeigentümern, Behörden und Forschungseinrichtungen in Baden-Württemberg. Sie will Offenlandarten durch Verbesserung ihrer Lebensbedingungen und Lebensräume fördern.

Die Allianz für Niederwild unterstützt Lokalprojekte in Form von Beratung und Umsetzung niederwildfreundlicher Maßnahmen. In einer Modellregion wird die Umsetzung neuer und bewährter Maßnahmen unter agrarökonomischen und wildökologischen Aspekten geprüft. Das Projekt wird vom Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg gefördert.

Bild- und Textnachweis: Georg Auer

Erstellt am 10.03.2020
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