Jäger schützen das Auerwild

Neue Hegegemeinschaft zwischen und Blauen und Schauinsland wird gegründet

Erstellt am

Neuenweg/Münstertal (gaa). Die Zahlen sind erschreckend: Seit 1999 ist die Zahl der im Schwarzwald gezählten Auerhähne von rund 300 auf weniger als 100 zurückgegangen. Deshalb setzen sich bereits seit vielen Jahren staatliche Einrichtungen wie die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) in Freiburg und die Wildforschungsstelle Aulendorf und ebenso private Initiativen wie der Verein „Auerhuhn im Schwarzwald“ für den Schutz der gefährdeten Wildtierart ein.

Nun hat sich eine neue Unterstützergruppe für den Erhalt des Auerwildes zusammengefunden: Mehr als 15 Jagdreviere zwischen Fröhnd und Malsburg im Süden über Münstertal und Neuenweg bis hin nach Oberried schließen sich zur „Hegegemeinschaft Auerwild“ zusammen. Dazu waren im Haldenhof in Neuenweg 30 Jäger zu einer Informations- und Gründungsversammlung zusammengekommen.

Initiator Paul Schmid, der bereits jahrelange Erfahrung mit dem Schutz des Niederwildes im Markgräflerland hat, bringt es auf den Punkt: „Wir Jäger setzen uns dafür ein, dass das Auerwild eine Zukunft im Schwarzwald hat.“ Schon vor mehr als 50 Jahren wurde die Jagd auf die bedrohte Tierart in Deutschland eingestellt – jetzt tun die Jäger alles dafür, damit es nicht ganz verschwindet. Der Schutz des Auerwildes hat auch Auswirkungen auf andere Waldbewohner: "Wo es den Auerhühern gutgeht, da fühlen sich auch viele andere Tierarten wohl: Das Auerwild ist eine Leitart."

Aktionsplan Auerhuhnschutz

Der Aktionsplan Artenschutz sieht dafür drei Kernaufgaben vor: Der Verlust und die Zerschneidung von Lebensraum gelten als die Hauptgründe für den Rückgang der Auerhuhn-Population im Schwarzwald. Auch Störungen durch Freizeitaktivitäten und Fressfeinde spielen eine Rolle. Kontrovers diskutiert wird immer wieder auch die Auswirkung von Windkraftanlagen auf den windreichen Höhenrücken des Schwarzwaldes. In ausgewiesenen Ruhezonen soll das Auerwild deshalb so wenig wie möglich gestört werden - gerade im Winter sowie in der der Balz, Brut- und Aufzuchtzeit.

Die Habitatpflege sieht vor, dass Landschaftsbereiche erhalten bzw. geschaffen werden, in denen sich das Auerwild wohlfühlt: Es besiedelt gerne große zusammenhängende Wälder in den Bergen. Diese Wälder licht und strukturreich sein und zudem eine reiche Bodenvegetation z.B. mit Beerensträuchern aufweisen. Baumgruppen bieten Schutz vor Feinden und Wetter. „Hier kommt die gute Ortskenntnis der Jäger zum Tragen, die ihre Reviere am besten kennen und wissen, wo es solche Bereiche gibt“, erläutert Jakob Huber von der FVA, der das Projekt begleitet und auch den Landesjagdverband vertritt: „Wichtig ist vor allem die Vernetzung der der Habitate, damit die Vögel genügend Lebensräume haben. Darum ist es wichtig, dass möglichst viele Reviere an der Hegegemeinschaft teilhaben.“

Aber selbst wenn es genügend Lebensräume für Auerhähne gibt, so haben sie zu viele Feinde: Räuber wie Dachs, Fuchs oder Marder setzen den Bodenbrütern stark zu. Deshalb sollen die Jäger in ihren Revieren die Prädatorendichte geringhalten und vermehrt Füchse bejagen – das Jagd- und Wildtiermanagementgesetz Baden-Württemberg ermöglicht der Hegegemeinschaft dafür längere Jagdzeiten.

Hegegemeinschaft

Die Revierpächter, die an der Hegegemeinschaft teilnehmen wollen, reichen nun einen gemeinsamen Antrag bei der unteren Jagdbehörde auf der Ebene des Landkreises ein. Alle Teilnehmer unterzeichnen eine privatrechtliche Gründungsvereinbarung. Die Mitwirkung ist freiwillig und erfordert keine finanzielle Beteiligung. Sobald die Bestätigung der unteren Jagdbehörde kommt, ist die Hegegemeinschaft eingerichtet.

Auerwild

Das Auerwild (Tetrao urogallus) ist das größte Raufußhuhn Eurasiens. Männliche (Auerhähne) und weibliche Tiere (Auerhühner) unterscheiden sich in ihrem äußeren Erscheinungsbild stark voneinander (Geschlechtsdimorphismus). Die Hähne wiegen zwischen 3.500 und 5.000 Gramm und werden bis zu 95 cm groß, die Hühner bringen immerhin noch 1.500 bis 2.500 Gramm auf die Waage und werden bis 65 cm groß. Die Tiere werden bis zu 10 Jahre alt und, das Gelege umfasst einmal im Jahr zwischen 8 und 12 Eier.

In Mitteleuropa findet man das Auerhuhn nur noch in den Alpen und in kleineren Inselpopulationen in den Mittelgebirgen wie dem Schwarzwald. Wegen seiner imposanten Körpergröße und seinem Bedürfnis nach Schutz und Nahrung, braucht das Auerhuhn entsprechend viel Raum. Für eine gesunde Mindestpopulation von 500 Tieren gehen Wissenschaftler der Uni Freiburg und der FVA von einem Flächenbedarf von mindestens 500 km² aus. Die Jagd auf Auerhühner ist wegen der abnehmenden Populationsgröße seit 1971 verboten. Trotzdem sinkt die Zahl des Hühnervogels seither weiter.

Weitere Informationen unter www.auerhuhn-schwarzwald.de